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Fieberkrampf: Warum Fiebersaft ihn nicht verhindert

Viele Eltern senken Fieber, um einem Fieberkrampf vorzubeugen. Studien zeigen: Das gelingt nicht. Was wirklich hilft und wann ihr zum Arzt müsst.

Von Dr. Jürgen Berger-Roscher · · 3 Minuten Lesezeit

Warum Fiebersaft ihn nicht verhindert

Ein Fieberkrampf gehört zu den schlimmsten Minuten, die Eltern erleben können. Das Kind verdreht die Augen, zuckt und reagiert nicht mehr. Kein Wunder, dass viele beim ersten Anzeichen von Fieber zum Fiebersaft greifen, um genau das zu verhindern. In einer deutschen Elternbefragung gab jeder Zweite an, Fieber deshalb zu senken. Der Wunsch ist verständlich, aber er geht nicht auf.

Kurz gesagt: Fiebersaft verhindert keinen Fieberkrampf. Der Krampf hängt am raschen Anstieg des Fiebers, nicht an seiner Höhe, und kommt meist, bevor ihr das Fieber überhaupt bemerkt. Fiebersenker sind dafür da, dass sich euer Kind wohler fühlt.

Wie häufig sind Fieberkrämpfe?

Zwei bis fünf von hundert Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren haben irgendwann einen Fieberkrampf. Er tritt meist auf, während das Fieber schnell steigt. Ob ein Kind dazu neigt, hängt an der Veranlagung seines Gehirns, die sich mit dem Alter auswächst.

Was die Studien zeigen

Eine Cochrane-Übersicht hat 32 Studien zusammengefasst. Das Ergebnis ist eindeutig: Paracetamol und Ibuprofen senken die Wahrscheinlichkeit eines Fieberkrampfs nicht, weder beim ersten Fieber noch bei späteren.

Auch frühes und konsequentes Fiebersenken ab dem ersten Fieberzeichen ändert daran nichts. In einer finnischen Studie bekamen Kinder mit früheren Fieberkrämpfen bei jedem neuen Fieber entweder Ibuprofen oder ein Scheinmedikament. Unter Ibuprofen krampften 36 von 111 Kindern erneut, unter dem Scheinmedikament 46 von 119. Dieser Unterschied ist zufällig.

Der Grund: Der Krampf kommt früh im Fieberanstieg, oft bevor jemand das Fieber gemessen hat. Kein Saft ist dann rechtzeitig da, und die Höhe des Fiebers, die der Saft beeinflusst, ist gar nicht der Auslöser.

Es gibt eine einzige, schwach belegte Ausnahme: In derselben Fieberphase direkt nach einem Krampf machte regelmäßiges Paracetamol in einer einzelnen Studie einen zweiten Krampf seltener. Für spätere Fieber gilt das nicht.

Wofür Fiebersaft wirklich da ist

Fieber ist keine Krankheit, sondern Teil der Abwehr. Fiebersenker haben bei Kindern ein Ziel: dass sich das Kind wohler fühlt, trinkt und schlafen kann.

  • Schaut auf euer Kind, nicht aufs Thermometer. Ein Kind, das mit 39 Grad spielt, braucht nichts. Ein Kind, das mit 38,5 Grad jammert und nicht trinkt, vielleicht schon.
  • Die Menge richtet sich nach dem Gewicht, nicht nach dem Alter. Fragt im Zweifel in der Kinderarztpraxis oder Apotheke nach der richtigen Menge für euer Kind.
  • Abwechseln bringt nichts. Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel zu geben hat keinen Vorteil. Es verstärkt nur das Gefühl, Fieber sei gefährlich.

Wenn es doch passiert

Ein einfacher Fieberkrampf dauert wenige Minuten und hinterlässt keine Schäden, weder an der Intelligenz noch am Verhalten oder in der Schule. Bei etwa 15 von 100 Kindern kommt in derselben Fieberphase ein zweiter, bei etwa 30 von 100 innerhalb von zwei Jahren ein weiterer.

Während des Krampfs:

  1. Legt euer Kind auf die Seite.
  2. Steckt ihm nichts in den Mund.
  3. Schaut auf die Uhr, damit ihr wisst, wie lange es dauert.

Dauert der Krampf länger als fünf Minuten, ruft den Notruf 112. Nach dem ersten Fieberkrampf gehört euer Kind in jedem Fall zum Arzt, auch wenn es sich schnell erholt. Eltern von Kindern mit früheren Krämpfen bekommen oft ein Notfallmedikament für zu Hause. Eine Dauerbehandlung mit Medikamenten gegen Krampfanfälle ist wegen der Nebenwirkungen nicht üblich.

Wann euer Kind mit Fieber zum Arzt muss

Unabhängig von Krämpfen gehört ein Kind mit Fieber in die Praxis oder Notaufnahme, wenn:

  • es jünger als drei Monate ist,
  • es teilnahmslos ist oder sich kaum wecken lässt,
  • es schwer atmet,
  • es Flecken auf der Haut hat, die sich nicht wegdrücken lassen,
  • der Nacken steif ist,
  • es nicht mehr trinkt.

Im Familienalltag

Wenn ein Kind krank ist, hilft es, die Lage für alle im Blick zu haben: Wer bleibt zu Hause, wann ist der Termin in der Kinderarztpraxis, was hat der Arzt gesagt. In WennDannDa tragt ihr Arzttermine für jedes Kind ein, und der Notfallpass hält Allergien und wichtige Angaben bereit, falls es schnell gehen muss.

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe Gesundheitsmythen im Familienalltag. Er ersetzt kein Gespräch mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.

Quellen

Fachlich geprüft von Dr. Jürgen Berger-Roscher am 6. November 2026.

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